Mentale Gesundheit

Online-Psychotherapie: Kostenübernahme durch Private Krankenversicherung und Beihilfe

Kostenübernahme für Online-Psychotherapie: was PKV und Beihilfe bei Videotherapie erstatten, welche Tarifklauseln zählen und wie die Rechnung aussehen muss.

Aktualisiert: 6 min read
Emil Herrling

Geschrieben von

Emil Herrling

Medizinisch geprüft

Dipl. Psych. Jan-Matthis Wasserfuhr

Person sitzt an einem See in den Bergen und schaut in die Ferne

Lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz kennen viele, die schon einmal gesucht haben. Eine Online-Psychotherapie per Video ist oft der schnellere Weg. Bleibt die Frage, die vor dem ersten Termin geklärt sein sollte: Wer zahlt das?

Für Privatversicherte und Beihilfeberechtigte ist die Antwort meist einfacher als gedacht. Dieser Beitrag erklärt, wie die Kostenübernahme für Online-Psychotherapie in der privaten Krankenversicherung und in der Beihilfe funktioniert, auf welche Klauseln in Ihrem Tarif es ankommt und was auf einer erstattungsfähigen Rechnung stehen muss. Was eine Sitzung genau kostet, steht in der Übersicht Wie viel kostet eine Psychotherapie?.

Video oder Praxis: für die Erstattung kein Unterschied

Seit dem 1. Januar 2022 erstatten private Krankenversicherungen und Beihilfe psychotherapeutische Videositzungen dauerhaft, ohne Abschlag gegenüber der Behandlung vor Ort. Der PKV-Verband hat diese Regelung nach den Erfahrungen aus der Pandemie unbefristet verlängert. Abgerechnet wird nach denselben Ziffern der Gebührenordnung, die Rechnung weist die Behandlung per Video aus.

Ob eine Behandlung fachlich gut per Video laufen kann, entscheidet Ihre Therapeut:in im Erstgespräch. Für viele Anliegen funktioniert das gut, bei akuten Krisen oder bestimmten Störungsbildern kann eine andere Versorgungsform besser passen.

Kostenübernahme durch die private Krankenversicherung

Alle privaten Krankenversicherungen übernehmen die Kosten einer Psychotherapie im Umfang Ihres Tarifs. Genau dieser Umfang unterscheidet sich aber erheblich, und er entscheidet darüber, ob am Ende ein Eigenanteil bleibt.

Worauf es in Ihrem Tarif ankommt

  • Sitzungszahl: Viele Tarife begrenzen die erstattungsfähigen Sitzungen pro Jahr. Der PKV-Verband nennt rund 50 Sitzungen jährlich als häufige Grenze.
  • Genehmigung: Ein einheitliches Antragsverfahren gibt es nicht. Manche Tarife verlangen nach den probatorischen Sitzungen eine Leistungszusage, andere erst nach den ersten 20 Stunden, wieder andere gar keine.
  • Behandler:in: Nur wenige Tarife beschränken die Erstattung auf ärztliche Psychotherapie. Die meisten erstatten auch bei Psychologischen Psychotherapeut:innen.
  • Steigerungssatz: Manche Tarife erstatten nur bis zum 2,3-fachen Satz der Gebührenordnung. Liegt die Rechnung darüber, bleibt die Differenz bei Ihnen.
  • Selbstbehalt: Hat Ihr Tarif einen jährlichen Selbstbehalt, wird er in der Regel auch auf Psychotherapie angerechnet.

Approbation ist Voraussetzung

Erstattet wird die Behandlung bei approbierten Psychotherapeut:innen. Die Berufsbezeichnung “Psychotherapeut:in” ist nach § 1 Psychotherapeutengesetz geschützt. Coaches oder psychologische Berater:innen erfüllen diese Voraussetzung nicht, Heilpraktiker:innen für Psychotherapie nur dann, wenn Ihr Tarif ausdrücklich Heilpraktikerleistungen einschließt. Bei Therapy Lift arbeiten ausschließlich approbierte Psychotherapeut:innen.

Kostenübernahme durch die Beihilfe

Beamt:innen und ihre berücksichtigungsfähigen Angehörigen bekommen einen festen Prozentsatz der Kosten von der Beihilfe erstattet, den Rest übernimmt meist eine private Restkostenversicherung. Bund und Länder haben eigene Beihilfeverordnungen. Sie sind sich bei der Psychotherapie ähnlich, aber nicht identisch. Am Beispiel des Landes Berlin (Informationsblatt, Stand März 2026) sieht das so aus:

  • Beihilfefähig sind Sprechstunde, Akutbehandlung, probatorische Sitzungen, Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie, Systemische Therapie und die psychosomatische Grundversorgung, ausdrücklich auch per Video.
  • Ohne Voranerkennung laufen Akutbehandlung (bis zu 24 Einheiten à 25 Minuten) und Kurzzeittherapie (bis zu 24 Sitzungen). Für die Kurzzeittherapie muss das Antragsformular trotzdem ausgefüllt vorliegen.
  • Probatorische Sitzungen: bei Erwachsenen bis zu fünf, vor einer analytischen Psychotherapie bis zu acht.
  • Langzeittherapie braucht eine Voranerkennung durch die Beihilfestelle mit Gutachterverfahren.
  • Nicht beihilfefähig sind unter anderem Gesprächspsychotherapie, Gestalttherapie und Psychodrama.

Weil Sie mit Beihilfe und Restkostenversicherung zwei Kostenträger haben, reichen Sie jede Rechnung zweimal ein. Prüfen Sie vorab, ob auch Ihre Restkostenversicherung eine Genehmigung verlangt, bevor die Langzeittherapie beginnt.

Wie die Rechnung aussehen muss

Sie bekommen die Rechnung, bezahlen sie und reichen sie bei Ihrer Versicherung ein. Erstattungsfähig ist sie, wenn sie nach der Gebührenordnung erstellt ist. Psychologische Psychotherapeut:innen rechnen nach der Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP) ab, die auf die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) verweist.

Seit dem 1. Juli 2024 gelten dafür gemeinsame Abrechnungsempfehlungen von Bundesärztekammer, Bundespsychotherapeutenkammer, PKV-Verband und Beihilfe. Eine typische Sitzung in der Kurzzeittherapie besteht aus:

  • 812 analog, je vollendete 25 Minuten, bei 50 Minuten also zweimal,
  • 801 analog für die Erhebung des aktuellen psychischen Befunds.

Zum 2,3-fachen Satz ergibt das 167,58 Euro je 50-minütiger Sitzung. Auf der Rechnung stehen außerdem Datum, Ziffern, Bezeichnung der Leistung und Steigerungssatz, viele Versicherer erwarten zusätzlich eine Diagnose. Ein Satz über dem 2,3-Fachen muss schriftlich begründet sein.

Bei Therapy Lift bekommen Sie nach jeder Sitzung eine Rechnung nach GOÄ/GOP zum Regelsatz von 167,58 Euro. Das 15-minütige Kennenlerngespräch ist kostenfrei. Verlangt Ihre Versicherung einen Antrag, übernimmt Ihre Therapeut:in die therapeutischen Angaben und den Bericht. Die Unterlagen schicken Sie ihr verschlüsselt über den Chat in der App.

Gesetzlich versichert oder lieber selbst zahlen?

Für gesetzlich Versicherte gelten andere Regeln. Therapy Lift hat keine Kassenzulassung und rechnet nicht über die Gesundheitskarte ab. Welche Wege die gesetzliche Kasse für Online-Therapie vorsieht, steht im Beitrag Online-Therapie und Krankenkasse.

Manche Privatversicherte zahlen eine Therapie bewusst selbst, etwa um eine Beitragsrückerstattung zu behalten oder weil sie Anträge vermeiden möchten. Dann erfährt die Versicherung von der Behandlung nichts. Fragen nach früheren Behandlungen in einem späteren Versicherungsantrag müssen Sie trotzdem wahrheitsgemäß beantworten, auch wenn Sie selbst bezahlt haben. Mehr dazu im Beitrag Psychotherapie als Selbstzahler.

Checkliste vor der ersten Sitzung

  • Tarif prüfen: Ist ambulante Psychotherapie enthalten, wie viele Sitzungen pro Jahr, bis zu welchem Steigerungssatz?
  • Versicherung oder Beihilfestelle fragen, ob vor Beginn oder nach der Probatorik ein Antrag nötig ist und welche Formulare verlangt werden.
  • Antwort schriftlich geben lassen, per E-Mail oder Brief.
  • Approbation sicherstellen. Bei Therapy Lift ist das Standard.
  • Rechnungen zeitnah einreichen, bei Beihilfe an beide Kostenträger.

Wie der Ablauf vom ersten Kontakt bis zur Erstattung konkret aussieht, beschreibt der Leitfaden Psychotherapie für Privatversicherte. Alles zu Preisen und Start finden Sie auf der Seite für Privatversicherte.

Häufige Fragen (FAQ)

Wird Online-Psychotherapie genauso erstattet wie eine Therapie vor Ort?

Ja. Der PKV-Verband hat Videositzungen in der Psychotherapie seit dem 1. Januar 2022 dauerhaft der Behandlung in der Praxis gleichgestellt, auch die Beihilfe erkennt Videobehandlung an. Abgerechnet wird nach denselben Ziffern der Gebührenordnung, ohne Abschlag. Der Umfang richtet sich wie immer nach Ihrem Tarif.

Brauche ich eine Überweisung von meiner Hausärzt:in?

In der Regel nicht. Privatversicherte und Beihilfeberechtigte können sich direkt an eine approbierte Psychotherapeut:in wenden. Einige Tarife mit Hausarztprinzip verlangen aber, dass zuerst eine Hausärzt:in aufgesucht wird. Das steht in Ihren Versicherungsbedingungen.

Was passiert, wenn die Technik streikt?

Abgerechnet werden darf nur, was tatsächlich stattgefunden hat. Bricht eine Sitzung nach wenigen Minuten aus technischen Gründen ab und lässt sich nicht fortsetzen, wird sie nicht berechnet. Bei der Ziffer 812 analog zählt jede vollendete 25-Minuten-Einheit.

Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten bei Therapy Lift?

Nein. Therapy Lift hat keine Kassenzulassung, eine Abrechnung über die Gesundheitskarte ist nicht möglich. Gesetzlich Versicherte können die Online-Psychotherapie bei Therapy Lift als Selbstzahlende nutzen.

Quellen

  • PKV-Verband: PKV ermöglicht dauerhaft Videosprechstunden in der Psychotherapie
  • PKV-Verband, Patientenportal: Psychotherapie für Privatversicherte
  • Landesverwaltungsamt Berlin: Informationsblatt Beihilfe Psychotherapie, Stand März 2026
  • Bundespsychotherapeutenkammer: Übersicht der Analogleistungen gemäß Abrechnungsempfehlungen (Stand Januar 2025)
  • Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)
  • Psychotherapeutengesetz § 1

Quellen

  • Online-Psychotherapie
  • Private Krankenversicherung
  • Beihilfe
  • Kostenübernahme
  • Telemedizin
  • Selbstzahler

Weiterlesen

Alle Artikel
Ansicht einer Spinne in der VR Welt von Psycurio
Mentale Gesundheit

Wie Virtual Reality die Psychotherapie verändert

Gastbeitrag von unserem Partner Psycurio: Mit Virtual Reality können Patient:innen angstauslösende Situationen in einer sicheren, virtuellen Umgebung üben. Die Methode erweitert die bewährte Expositionstherapie und ist bei Phobien gut untersucht.

Artikel lesen

Der nächste Schritt

Wissen ist der Anfang. Wir begleiten Sie weiter.

Finden Sie eine approbierte Therapeut:in, die zu Ihren Bedürfnissen und Ihrer Situation passt.

Therapieplatz sichern