Extreme Stimmungsschwankungen zwischen euphorischen Hochphasen und tiefer Niedergeschlagenheit können auf eine bipolare Störung hinweisen. Dieser Selbsttest hilft Ihnen einzuordnen, ob bei Ihnen Hinweise auf manische oder hypomane Phasen vorliegen – anonym, kostenlos und in wenigen Minuten ausgefüllt. Alle 13 Fragen beziehen sich auf dieselbe Leitfrage: Gab es jemals eine Zeit, in der Sie nicht Sie selbst waren und sich zum Beispiel ungewöhnlich aufgedreht, gereizt oder energiegeladen fühlten? Beantworten Sie jede Frage mit Ja oder Nein.
Wie funktioniert der Test?
Der Test beruht auf dem Mood Disorder Questionnaire (MDQ), den Robert Hirschfeld und Kolleg:innen im Jahr 2000 als Screening-Instrument für bipolare Störungen veröffentlicht haben. Der MDQ ist international eines der am weitesten verbreiteten Verfahren zur Früherkennung und fragt 13 typische Anzeichen manischer oder hypomaner Phasen ab – etwa vermindertes Schlafbedürfnis, Rededrang, rasende Gedanken oder riskantes Verhalten. Der Original-Fragebogen enthält zusätzlich Fragen dazu, ob mehrere dieser Anzeichen gleichzeitig auftraten und wie stark sie sich ausgewirkt haben; unser Selbsttest konzentriert sich auf die 13 Symptomfragen. Das Ergebnis ist eine Selbsteinschätzung und ersetzt keine Diagnose – gerade bei der bipolaren Störung ist eine sorgfältige fachärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik unerlässlich.
Auswertung: Was bedeutet mein Ergebnis?
Jede mit Ja beantwortete Frage zählt einen Punkt, der Gesamtwert liegt zwischen 0 und 13 Punkten. Werte von 0 bis 6 sprechen für eine geringe Wahrscheinlichkeit einer bipolaren Störung. Bei 7 bis 9 Punkten liegen mögliche Hinweise vor, eine weitere Abklärung wird empfohlen – auch im Original-MDQ gilt ein Wert ab 7 als auffällig. Werte von 10 bis 13 gelten als starke Hinweise; hier wird eine professionelle Diagnostik ausdrücklich empfohlen. Wichtig: Auch ein hoher Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine bipolare Störung vorliegt – und ein niedriger Wert schließt sie nicht sicher aus.
Was ist eine bipolare Störung?
Die bipolare Störung ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, bei der sich depressive Phasen mit manischen oder hypomanen Phasen abwechseln. In depressiven Phasen dominieren gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und Interessenverlust. Manische Phasen sind das Gegenstück: euphorische oder gereizte Stimmung, stark vermindertes Schlafbedürfnis, Rededrang, überhöhtes Selbstbewusstsein und riskante Entscheidungen, etwa bei Geldausgaben. Bei der Bipolar-I-Störung treten ausgeprägte Manien auf, bei der Bipolar-II-Störung schwächere hypomane Phasen, während meist die Depressionen im Vordergrund stehen. Etwa ein bis zwei von 100 Menschen erkranken im Laufe des Lebens daran. Mehr erfahren Sie auf unserer Übersichtsseite zur bipolaren Störung.
Warum die Diagnose oft schwierig ist
Viele Betroffene suchen erst in einer depressiven Phase Hilfe und berichten dann nicht von früheren Hochphasen – auch weil diese oft gar nicht als Problem erlebt werden. Die Erkrankung wird deshalb häufig zunächst als Depression eingeordnet und erst nach Jahren korrekt diagnostiziert. Wenn bei Ihnen vor allem Niedergeschlagenheit im Vordergrund steht, kann ergänzend unser Depressionstest hilfreich sein. Die richtige Diagnose ist entscheidend, weil sich die Behandlung einer bipolaren Störung deutlich von der einer Depression unterscheidet.
Was tun bei Verdacht auf eine bipolare Störung?
Nehmen Sie Auffälligkeiten ernst und suchen Sie eine fachärztliche Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie oder zunächst Ihre hausärztliche Praxis auf. Ein Stimmungstagebuch hilft, Schwankungen zu dokumentieren; auch die Einschätzung nahestehender Menschen ist oft wertvoll. Die bipolare Störung ist gut behandelbar – meist mit einer Kombination aus stimmungsstabilisierenden Medikamenten, Psychotherapie und Psychoedukation. Eine begleitende Online-Psychotherapie kann helfen, Frühwarnzeichen zu erkennen und Rückfällen vorzubeugen; approbierte Therapeut:innen finden Sie über unsere Therapeut:innensuche. In akuten Krisen – etwa bei Gedanken, sich etwas anzutun – wenden Sie sich bitte sofort an den Notruf 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.
Selbsttest starten: 13 Fragen beantworten
... Sie sich so gut oder überdreht fühlten, dass andere dachten, dass Sie irgendwie anders als gewöhnlich waren, oder waren Sie so aufgedreht, dass Sie in Schwierigkeiten gerieten?
... waren Sie so gereizt, dass Sie Leute anschrien oder Streits oder Auseinandersetzungen angefangen haben?
... Sie viel weniger Schlaf als üblich bekamen und er Ihnen nicht wirklich fehlte?
... Sie sich selbstbewusster fühlten als gewöhnlich?
... Sie viel gesprächiger als sonst waren oder schneller redeten als üblich?
... Ihre Gedanken durch den Kopf rasten oder Sie Ihre Gedanken nicht bremsen konnten?
... Sie so leicht durch die Dinge um Sie herum abgelenkt wurden, dass es Ihnen schwer fiel, sich zu konzentrieren oder bei der Sache zu bleiben?
... Sie viel mehr Energie als sonst hatten?
... Sie viel aktiver waren oder viel mehr Dinge machten?
... Sie viel geselliger oder aufgeschlossener waren, z.B. mitten in der Nacht Freunde anriefen?
... Sie viel mehr Interesse an Sex hatten als gewöhnlich?
... Sie Dinge taten, die für Sie ungewöhnlich waren oder die andere für übertrieben, verrückt oder riskant gehalten hätten?
... Ihre Geldausgaben Sie oder Ihre Familie in Schwierigkeiten brachten?
Häufige Fragen
Was ist der Mood Disorder Questionnaire (MDQ)? +
Der MDQ ist ein im Jahr 2000 von Robert Hirschfeld und Kolleg:innen veröffentlichter Screening-Fragebogen für bipolare Störungen. Er fragt 13 typische Anzeichen manischer oder hypomaner Phasen ab und ist international eines der am häufigsten eingesetzten Instrumente zur Früherkennung. Unser Test beruht auf einer deutschsprachigen Fassung der 13 Symptomfragen.
Wie wird der Test ausgewertet? +
Jede mit Ja beantwortete Frage zählt einen Punkt, insgesamt sind 0 bis 13 Punkte möglich. Werte von 0 bis 6 sprechen für eine geringe Wahrscheinlichkeit einer bipolaren Störung, 7 bis 9 für mögliche Hinweise mit Empfehlung zur Abklärung und 10 bis 13 für starke Hinweise, bei denen eine professionelle Diagnostik empfohlen wird. Die Schwellen sind Orientierungswerte, keine Diagnose.
Ist dieser Test eine Diagnose? +
Nein. Der Test ist eine Selbsteinschätzung auf Basis eines etablierten Screening-Fragebogens und kann eine fachliche Diagnostik nicht ersetzen. Gerade die bipolare Störung erfordert eine sorgfältige Untersuchung durch Fachärzt:innen für Psychiatrie oder durch Psychotherapeut:innen, da sie leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt wird.
Was ist der Unterschied zwischen Bipolar-I und Bipolar-II? +
Bei der Bipolar-I-Störung treten voll ausgeprägte manische Phasen auf, die oft schwerwiegende Folgen haben und teils eine Klinikbehandlung erfordern. Bei der Bipolar-II-Störung kommt es zu schwächeren hypomanen Phasen, während depressive Episoden meist im Vordergrund stehen. Beide Formen sind ernstzunehmen und behandelbar; die Unterscheidung trifft die fachliche Diagnostik.
Woran erkenne ich eine manische Phase? +
Typisch sind eine ungewöhnlich gehobene oder gereizte Stimmung über mehrere Tage, stark vermindertes Schlafbedürfnis ohne Müdigkeit, Rededrang, rasende Gedanken, überhöhtes Selbstbewusstsein und riskantes Verhalten, etwa unüberlegte Geldausgaben. Betroffene selbst erleben die Phase oft als positiv – Angehörige bemerken die Veränderung meist früher.
Ist eine bipolare Störung behandelbar? +
Ja. Die bipolare Störung verläuft zwar meist episodisch über das Leben hinweg, lässt sich aber gut stabilisieren – in der Regel mit einer Kombination aus stimmungsstabilisierenden Medikamenten, Psychotherapie und Psychoedukation. Viele Betroffene führen mit passender Behandlung ein weitgehend stabiles Leben. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser.
Warum wird eine bipolare Störung oft erst spät erkannt? +
Betroffene suchen meist in depressiven Phasen Hilfe und berichten selten von früheren Hochphasen, weil diese nicht als krankhaft erlebt werden. Dadurch wird die Erkrankung häufig zunächst als Depression eingeordnet. Zwischen den ersten Symptomen und der richtigen Diagnose vergehen deshalb oft mehrere Jahre – ein Grund, Hochphasen bei ärztlichen Gesprächen aktiv anzusprechen.
Quellen
Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine professionelle medizinische Beratung.
Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine approbierte
Psychotherapeut:in oder Ärzt:in.