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Burnout: Symptome, Anzeichen und Abgrenzung zur Depression

Burnout ist ein arbeitsbezogenes Erschöpfungssyndrom mit drei Kerndimensionen: anhaltende Erschöpfung, Distanzierung zur Arbeit und reduzierte Leistungsfähigkeit. Im Gegensatz zur Depression bleibt die Beeinträchtigung meist auf den Arbeitskontext bezogen. Hier finden Sie die typischen Symptome, die Risikofaktoren und wann eine Abklärung sinnvoll ist.

Emil Herrling
Emil Herrling
  • 16. März 2025
  • Aktualisiert: 4. Oktober 2026
  • 8 min read

Medizinisch geprüft von

Dipl. Psych. Jan-Matthis Wasserfuhr

Burnout ist ein Erschöpfungssyndrom, das durch chronische Überlastung am Arbeitsplatz entsteht. Die Weltgesundheitsorganisation führt es seit 2019 in der ICD-11 unter dem Code QD85, allerdings nicht als Krankheit, sondern im Kapitel der Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen. In Deutschland wird weiterhin nach der ICD-10-GM diagnostiziert und abgerechnet, dort steht Burnout unter Z73.0, ebenfalls ohne Krankheitsstatus. Wer typische Burnout-Beschwerden hat, bekommt in der Behandlung deshalb häufig eine zusätzliche Diagnose, meist Depression, Angststörung oder Anpassungsstörung. Dieser Artikel erklärt die WHO-Definition, die typischen Symptome, die Abgrenzung zur Depression und wann eine Abklärung sinnvoll ist.

Wie die WHO Burnout definiert

Drei Dimensionen müssen gemeinsam vorliegen, damit von einem Burnout gesprochen werden kann. Sie kommen alle aus dem Arbeitskontext und sollten dort auch erlebbar sein.

Erschöpfung. Anhaltend, körperlich und mental. Wer ausgeruht in den Urlaub fährt und nach drei Wochen genauso erschöpft zurückkommt wie vorher, erlebt eine andere Dimension von Müdigkeit als nach einer schlechten Nacht. Diese Erschöpfung lässt sich nicht ausschlafen.

Innere Distanz zur Arbeit. Aufgaben, die früher mit Engagement angegangen wurden, werden mit wachsender Gleichgültigkeit erledigt. Der Job fühlt sich an wie etwas, das man durchsteht. Bei manchen mündet das in Zynismus oder Bitterkeit gegenüber Kolleg:innen, Klient:innen oder dem Unternehmen.

Reduzierte Leistungsfähigkeit. Man schafft weniger als früher und braucht länger für dieselben Aufgaben. Konzentration und Detailgenauigkeit lassen nach, Fehler häufen sich, Entscheidungen fallen schwerer. Das ist nicht Faulheit. Das ist Ressourcenmangel.

Wichtig: Wenn diese drei Punkte vorliegen, aber unabhängig von der Arbeit, ist es kein klassisches Burnout, sondern weist meist auf eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung hin. Mehr dazu im Abschnitt zur Abgrenzung von der Depression.

Wie ein Burnout beginnt

Burnout beginnt selten abrupt. Die meisten Verläufe, die in psychotherapeutischen Erstgesprächen auftauchen, haben eine lange Vorgeschichte: Jahre hoher Belastung, in denen die betroffene Person ihre Arbeit als sinnvoll erlebt hat und gerade deshalb über die eigene Grenze gegangen ist. Pflegende Berufe, Lehrer:innen, Selbstständige, Eltern in der Doppelbelastung, idealistische Gründer:innen. Die Liste ist lang, das Muster ähnlich.

Typisch ist eine Phase von hohem Enthusiasmus und intensivem Einsatz. Die Arbeit ist anspruchsvoll, oft emotional fordernd, die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Eigene Bedürfnisse rücken in den Hintergrund. Das funktioniert eine Weile, manchmal Jahre.

Der Wendepunkt kommt dann scheinbar plötzlich. Die übliche Erholungszeit reicht nicht mehr. Weder ein Wochenende noch ein Urlaub bringt die gewohnte Regeneration. Das Erleben, „aus heiterem Himmel” getroffen worden zu sein, täuscht meist darüber hinweg, dass die Warnsignale bereits Monate oder Jahre vorhanden waren und ignoriert wurden.

Typische Symptome

Die Beschwerden entwickeln sich graduell. In der Frühphase sind sie oft so unspezifisch, dass sie als Stress, mangelnde Disziplin oder „Phase” abgetan werden.

Frühe Warnsignale, die ernst genommen werden sollten:

  • mehr arbeiten und gleichzeitig weniger schaffen
  • das Gefühl, unersetzbar zu sein und alles selbst machen zu müssen
  • Pausen, Hobbys und soziale Kontakte werden gekürzt
  • gelegentliche Verspannungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, häufigere Infekte
  • ein vages, schwer benennbares Unbehagen oder grundlose innere Unruhe

Im fortgeschrittenen Stadium werden die Symptome dichter und alltagsbestimmend:

  • emotionale Erschöpfung und innere Leere als Grundzustand
  • zunehmende Distanzierung, Zynismus oder Gleichgültigkeit gegenüber Arbeit, Kolleg:innen und manchmal nahestehenden Personen
  • starke Selbstzweifel, Gefühle des Versagens, das Erleben, nichts mehr richtig hinzubekommen
  • chronische Müdigkeit, anhaltende Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme, Herzrasen, Tinnitus, Rückenschmerzen
  • gereizte Stimmung, gedrückte Stimmung bis hin zu manifester Depression, Angst, Hoffnungslosigkeit
  • sozialer Rückzug, Vermeidung von Herausforderungen, manchmal erhöhter Konsum von Alkohol, Nikotin oder Medikamenten

Anhaltende Schmerzen, ein dauerhaft geschwächtes Immunsystem oder das Gefühl, sich nicht mehr erholen zu können, sind nie ein Normalzustand. Sie verdienen eine Abklärung.

Burnout oder Depression? Die schwierige Abgrenzung

Das ist die wichtigste Differenzialdiagnose, und sie ist klinisch nicht trivial. Drei Faustregeln helfen bei einer ersten Einordnung:

Kontextgebundenheit. Beim klassischen Burnout zeigt sich die Beeinträchtigung im Arbeitskontext. An einem freien Wochenende, bei Freund:innen, im Urlaub (zumindest in den ersten Tagen) bleibt etwas Freude, etwas Antrieb. Bei einer Depression ist die gedrückte Stimmung durchgängig, sie nimmt das Erleben der ganzen Lebensspanne in Beschlag.

Anhedonie. Verlust von Freude an Dingen, die früher Freude gemacht haben, ist ein Kernsymptom der Depression. Bei reinem Burnout fehlt diese Komponente meist: Der Tennisabend, das Konzert, das Treffen mit alten Freund:innen funktioniert noch.

Selbstwert und Schuld. Bei einer Depression gehören tiefer Selbstzweifel, Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit zum Kern. Beim Burnout richten sich Selbstzweifel meist gezielter auf die berufliche Leistung: „Ich schaffe das nicht mehr” statt „Ich bin nichts wert”.

In der Realität liegen Burnout und andere psychische Störungen oft gemeinsam vor. In der bundesweiten Gesundheitsstudie DEGS1 hatten 70,9 Prozent der Menschen mit einer Burnout-Diagnose in den letzten zwölf Monaten mindestens eine psychische Störung. Zusammenhänge zeigten sich vor allem mit affektiven Störungen wie Depressionen, mit Angststörungen und mit somatoformen Störungen (Maske et al., 2016). Das ist kein Widerspruch. Es bedeutet, dass die Behandlung beides berücksichtigen muss. Mehr unter Depression: Symptome und im Depressionstest.

Andere mögliche Erklärungen sollte eine Erstuntersuchung ebenfalls prüfen:

  • Angststörungen, besonders die generalisierte Angststörung, erzeugen ähnliche Erschöpfungsbilder. Hier steht aber das Sorgen-Karussell im Vordergrund, nicht die berufliche Demotivation.
  • Körperliche Ursachen sollten ärztlich ausgeschlossen werden: Schilddrüsenerkrankungen, Anämien, Vitamin-D- oder B12-Mangel, schwere Schlafapnoe, Autoimmunerkrankungen in der Frühphase. Diese verursachen oft Beschwerden, die nicht von einem Burnout zu unterscheiden sind, solange das Blutbild nicht vorliegt.
  • Eine Anpassungsstörung liegt vor, wenn die Beschwerden klar mit einer beruflichen Belastung zusammenhängen, zeitlich begrenzt sind und nach Entlastung wieder zurückgehen.

Eine ärztliche oder psychotherapeutische Erstuntersuchung kann diese Möglichkeiten meist innerhalb von ein bis zwei Sitzungen sortieren.

Wie häufig ist Burnout?

Belastbare Zahlen sind rar, gerade weil Burnout keine Krankheitsdiagnose ist. Die beste bevölkerungsweite Schätzung stammt aus der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1, Erhebung 2008 bis 2011): 4,2 Prozent der Erwachsenen gaben an, dass ihnen eine Ärzt:in oder Psychotherapeut:in schon einmal ein Burnout-Syndrom bescheinigt hatte, Frauen mit 5,2 Prozent häufiger als Männer mit 3,3 Prozent. In den letzten zwölf Monaten waren es 1,5 Prozent. Am häufigsten betroffen war die Altersgruppe von 40 bis 59 Jahren (Maske et al., 2016). Die Daten sind über zehn Jahre alt. Neuere bundesweite Zahlen zu diagnostiziertem Burnout liegen nicht vor.

Deutlich besser dokumentiert ist, wie stark psychische Erkrankungen insgesamt die Arbeitswelt prägen. Laut DAK-Psychreport 2026 fielen 2025 je 100 erwerbstätige Versicherte 366 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen an, 18,7 Prozent aller Fehltage. Ein Fall dauerte im Schnitt 34,2 Tage. Am höchsten lagen die Werte im Gesundheitswesen mit 474 Fehltagen je 100 Versicherte.

Wer besonders gefährdet ist

Burnout ist kein Phänomen einzelner Berufe. Trotzdem gibt es Konstellationen, in denen das Risiko deutlich erhöht ist.

Berufliche Risikofaktoren: hohe emotionale Involviertheit (Pflege, Therapie, Pädagogik), wenig Kontrolle über die eigene Arbeitsgestaltung, ständige Verfügbarkeit, unklare Erwartungen oder Rollenkonflikte, fehlende Anerkennung im Verhältnis zur Belastung. Wenn man viel gibt und das nicht gesehen wird, ist das auf Dauer zermürbend.

Persönliche Risikofaktoren: ausgeprägter Perfektionismus, ein starkes Helfersyndrom (die Bedürfnisse anderer dauerhaft über die eigenen stellen), die Tendenz, eigene Grenzen zu ignorieren oder zu überschätzen. Diese Eigenschaften sind nicht schlecht, sie sind oft auch der Grund, warum jemand in seinem Beruf gut ist. Sie werden zum Risiko, wenn nichts gegensteuert.

Lebensphasen, in denen das Risiko steigt: pflegende Angehörige, Eltern kleiner Kinder mit Vollzeit-Job, Selbstständige in der Aufbauphase, Beschäftigte in Restrukturierungen. Hier kommt die Belastung nicht aus einer Quelle, sondern aus mehreren gleichzeitig. Wie Belastungen im Job auf die Gesundheit wirken, beschreibt der Ratgeber Stress am Arbeitsplatz.

Aus der psychotherapeutischen Praxis

Das häufigste Muster in Erstgesprächen: Patient:innen kommen spät. Nicht weil sie nicht wussten, dass etwas nicht stimmt, sondern weil sie gehofft haben, dass es sich von selbst legt. Der Urlaub stand bevor, die Beförderung war in Aussicht, „nach dem Projekt wird es besser”. Wird es selten.

Der zweite wichtige Punkt: Die Frage „bin ich schon im Burnout?” ist klinisch meist die falsche Frage. Sinnvoller ist die Frage, ob die aktuelle Arbeits- und Lebensgestaltung über fünf weitere Jahre durchzuhalten wäre. Wer auf diese Frage ehrlich mit Nein antwortet, hat unabhängig vom Etikett ein Problem, das Aufmerksamkeit verdient.

Wann eine Abklärung sinnvoll ist

Wenn Sie über mehrere Wochen mehrere der folgenden Punkte beobachten, ist eine Abklärung sinnvoll, und zwar bald:

  • anhaltende Erschöpfung, die sich auch im Urlaub nicht legt
  • Schlafstörungen, die länger als zwei bis drei Wochen andauern
  • deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit, die Ihnen oder Ihrem Umfeld auffällt
  • wachsende Distanz oder Bitterkeit gegenüber Ihrer Arbeit
  • körperliche Symptome ohne klare medizinische Ursache
  • Stimmungsveränderungen, Reizbarkeit oder Hoffnungslosigkeit, die zunehmen

Für eine erste Einordnung eignet sich unser Burnout-Test nach dem Copenhagen Burnout Inventory. Er ersetzt keine Diagnose.

Erster Anlaufpunkt ist meist die Hausärzt:in. Sie kann eine Basisdiagnostik durchführen, körperliche Ursachen ausschließen und krankschreiben. Für die psychische Einordnung können Sie direkt eine psychotherapeutische Sprechstunde vereinbaren, ohne Überweisung, auch über die Terminservicestelle 116 117. In der Psychotherapie ist die Verhaltenstherapie der am häufigsten untersuchte Ansatz, mit Schwerpunkten auf Stressbewältigung, Werteklärung und Verhaltensänderung am Arbeitsplatz.

Bei Suizidgedanken gilt: sofort Hilfe holen, nicht erst in drei Wochen.

Akute Krise? Wenn Sie in einer akuten Notlage sind, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenfrei, rund um die Uhr) oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Lebensgefahr: 112.

Nächste Schritte

Wer den Verdacht hat, in eine Burnout-Entwicklung geraten zu sein, sollte zwei Dinge tun: das Problem beim Namen nennen und das eigene System (Arbeit, Beziehungen, Erwartungen) ehrlich anschauen. Beides ist alleine schwierig, deshalb gibt es Hilfe.

Mehr zu den konkreten Behandlungsoptionen, zur Kostenübernahme und zur Rückkehr in den Job finden Sie unter Burnout behandeln, und wie Sie einem Rückfall vorbeugen unter Burnout vorbeugen.

Wenn Sie mit jemandem sprechen möchten, ohne monatelang auf einen Termin zu warten: Bei Therapy Lift arbeiten approbierte Psychotherapeut:innen per Video, ein Termin ist oft innerhalb weniger Tage möglich, und das Kennenlerngespräch ist kostenfrei. Mehr dazu unter Online-Psychotherapie.

Häufige Fragen

Ist Burnout eine offizielle Diagnose? +

Nein, nicht im engeren Sinn. Die WHO führt Burnout in der ICD-11 unter QD85 als Phänomen im beruflichen Kontext, nicht als Krankheit. In Deutschland wird weiterhin nach ICD-10-GM kodiert, dort steht Burnout unter Z73.0. Für eine Psychotherapie als Kassenleistung braucht es eine behandlungsbedürftige psychische Störung, etwa eine Depression oder Anpassungsstörung, die bei Burnout-Beschwerden häufig vorliegt.

Was ist der Unterschied zwischen Burnout und Depression? +

Die Symptome überlappen stark, der Kontext unterscheidet sich. Beim klassischen Burnout hängen die Beschwerden an der Arbeit: An freien Tagen oder im Privatleben sind Freude und Antrieb oft noch da. Bei einer Depression ist die gedrückte Stimmung durchgängig und betrifft alle Lebensbereiche. Beides tritt häufig gemeinsam auf, dann gehört beides in die Behandlung.

Wer stellt ein Burnout fest? +

Erster Anlaufpunkt ist meist die Hausärzt:in. Sie schließt körperliche Ursachen wie eine Schilddrüsenerkrankung oder Blutarmut aus und kann krankschreiben. Die psychische Einordnung, also Burnout, Depression, Angststörung oder eine Kombination, nehmen Psychotherapeut:innen oder Fachärzt:innen für Psychiatrie oder Psychosomatik vor. Für die psychotherapeutische Sprechstunde brauchen Sie keine Überweisung.

Kann ich selbst herausfinden, ob ich Burnout habe? +

Ein Selbsttest wie der Burnout-Test nach dem Copenhagen Burnout Inventory gibt eine erste Orientierung, ersetzt aber keine Diagnose. Wenn Sie über mehrere Wochen anhaltend erschöpft sind, sich der Arbeit gegenüber distanziert erleben und Ihre Leistungsfähigkeit deutlich nachlässt, ist ein Gespräch mit einer Fachperson sinnvoll. Dabei wird auch geprüft, ob eine Depression oder eine körperliche Ursache dahintersteckt.

Hilft Urlaub bei Burnout? +

In frühen Phasen oft ja, in späten Phasen kaum noch. Ein zentrales Warnzeichen ist genau das: Man kommt aus dem Urlaub so erschöpft zurück, wie man hineingefahren ist. Wenn zwei bis drei Wochen freie Zeit die Erschöpfung nicht spürbar lindern, ist eine professionelle Abklärung sinnvoll.

Wichtiger Hinweis

Diese Informationen ersetzen keine professionelle medizinische Beratung.
Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine approbierte Psychotherapeut:in oder Ärzt:in.

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