Psychotherapie

Psychotherapie für Privatversicherte: Kostenübernahme bei Online-Therapie

Privat versichert und auf der Suche nach einer Psychotherapie? Dieser Leitfaden zeigt den Ablauf in fünf Schritten, vom Anruf bei Ihrer Versicherung über Probatorik und Antrag bis zur Erstattung der Rechnung.

Aktualisiert: 6 min read
Emil Herrling

Geschrieben von

Emil Herrling

Medizinisch geprüft

Dipl. Psych. Jan-Matthis Wasserfuhr

Eine Frau ist glücklich vor ihrem Computer in einer Online-Therapie Sitzung. Das Bild ist in grünen Farben im impressionistischen Stil.

Eine Psychotherapie zu beginnen kostet Überwindung. Wenn dann noch Tarifbedingungen, Anträge und Rechnungen dazukommen, schieben viele den ersten Schritt auf. Dabei ist der Ablauf für Privatversicherte überschaubar, wenn man die Reihenfolge kennt.

Dieser Leitfaden führt Sie in fünf Schritten durch eine Psychotherapie als Privatversicherte, am Beispiel einer Online-Therapie bei Therapy Lift. Was PKV und Beihilfe grundsätzlich erstatten und worin sich die Beihilfe unterscheidet, steht ausführlicher im Beitrag zur Kostenübernahme durch PKV und Beihilfe.

Schritt 1: Tarif klären, bevor es losgeht

Alle privaten Krankenversicherungen übernehmen die Kosten einer Psychotherapie im Umfang Ihres Tarifs. Wie weit dieser Umfang reicht, steht in Ihren Versicherungsbedingungen, und dort lohnt sich ein genauer Blick. Ein kurzer Anruf oder eine E-Mail an die Versicherung erspart später Überraschungen.

Diese Fragen sollten Sie Ihrer Versicherung stellen:

  • Leistungsumfang: Ist ambulante Psychotherapie in meinem Tarif enthalten, auch per Video?
  • Sitzungskontingent: Wie viele Sitzungen pro Kalenderjahr werden erstattet? Der PKV-Verband nennt rund 50 Sitzungen jährlich als häufige Grenze.
  • Behandler:in: Erstatten Sie die Behandlung bei Psychologischen Psychotherapeut:innen mit Approbation? Nur wenige Tarife beschränken sich auf ärztliche Psychotherapie.
  • Antrag: Brauche ich eine Genehmigung, und wenn ja, ab wann? Vor Beginn, nach den probatorischen Sitzungen oder nach einer bestimmten Stundenzahl?
  • Steigerungssatz: Bis zu welchem Satz der Gebührenordnung erstatten Sie, bis zum 2,3-Fachen oder darüber?
  • Selbstbehalt: Wird ein Selbstbehalt angerechnet?

Lassen Sie sich die Antworten schriftlich bestätigen. Eine E-Mail der Versicherung reicht, und Sie haben sie später zur Hand.

Achten Sie außerdem darauf, dass Ihre Therapeut:in in einem anerkannten Psychotherapieverfahren ausgebildet ist. Alle Therapeut:innen bei Therapy Lift sind approbiert.

Schritt 2: Kennenlerngespräch und probatorische Sitzungen

Bei Therapy Lift beginnt alles mit einem kostenfreien Kennenlerngespräch von 15 Minuten per Video. Sie schildern kurz Ihr Anliegen und merken, ob die Chemie mit der Therapeut:in stimmt. Passt es nicht, können Sie eine andere Therapeut:in kennenlernen.

Danach folgen die probatorischen Sitzungen. Sie dienen der Diagnostik, dem gegenseitigen Kennenlernen und der Planung der Behandlung. Wie viele davon Ihre Versicherung übernimmt, ist tarifabhängig. Zum Vergleich: In der gesetzlichen Versorgung sind zwei bis vier probatorische Sitzungen vorgesehen, die Beihilfe erkennt bei Erwachsenen bis zu fünf an. Nach den probatorischen Sitzungen wissen Sie und Ihre Therapeut:in, ob und wie die Therapie weitergeht.

Schritt 3: Antrag und Bericht, falls Ihr Tarif das verlangt

Ein einheitliches Antragsverfahren gibt es in der PKV nicht. Laut PKV-Verband verlangen manche Versicherer eine Genehmigung nach den probatorischen Sitzungen, andere nach den ersten 20 Stunden. Einige verzichten ganz darauf.

Verlangt Ihre Versicherung einen Antrag, übernimmt Ihre Therapeut:in die therapeutischen Angaben. Sie schicken ihr die Antragsunterlagen Ihrer Versicherung verschlüsselt über den Chat in der Therapy Lift App. Bei einer Langzeittherapie verlangen viele Versicherer zusätzlich einen ausführlichen Bericht, der die Notwendigkeit der Behandlung begründet. Häufig prüft ihn eine externe Gutachter:in. Wer bei Ihrer Versicherung den Bericht zu sehen bekommt, können Sie dort erfragen.

Beginnen Sie die Sitzungen nach der Probatorik erst, wenn die Genehmigung vorliegt, sofern Ihr Tarif eine verlangt. Sonst riskieren Sie, auf Kosten sitzen zu bleiben.

Schritt 4: Rechnung nach jeder Sitzung

Nach jeder Sitzung bekommen Sie eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP), die auf die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) verweist. Seit dem 1. Juli 2024 gelten gemeinsame Abrechnungsempfehlungen von PKV-Verband, Beihilfe, Bundesärztekammer und Bundespsychotherapeutenkammer. Eine 50-minütige Sitzung setzt sich daraus so zusammen:

  • zweimal 812 analog (je vollendete 25 Minuten psychotherapeutische Behandlung) und
  • einmal 801 analog (Erhebung des aktuellen psychischen Befunds),

zum 2,3-fachen Regelsatz zusammen 167,58 Euro. Das ist der Betrag, den Sie bei Ihrer Versicherung einreichen, nicht Ihr Eigenanteil. Wie sich die Gebühren im Einzelnen berechnen, zeigt die Übersicht Wie viel kostet eine Psychotherapie?

Schritt 5: Einreichen und Erstattung

Sie bezahlen die Rechnung und reichen sie bei Ihrer Versicherung ein, meist digital über deren App oder Kundenportal. Die Versicherung erstattet Ihnen den Betrag im Umfang Ihres Tarifs. Eine direkte Abrechnung zwischen Therapy Lift und Ihrer PKV gibt es nicht.

Als Beihilfeberechtigte reichen Sie jede Rechnung zweimal ein: bei der Beihilfestelle für deren Anteil und bei Ihrer privaten Restkostenversicherung für den Rest.

Typische Stolpersteine

  • Kontingent ausgeschöpft: Ist die Jahresgrenze erreicht, zahlt die Versicherung meist erst im neuen Kalenderjahr weiter. Manche Tarife erstatten bei medizinischer Notwendigkeit auch darüber hinaus. Planen Sie das mit Ihrer Therapeut:in ein.
  • Genehmigung vergessen: Verlangt Ihr Tarif einen Antrag nach der Probatorik, sind Sitzungen ohne Genehmigung ein Risiko.
  • Erstattung nur bis 2,3-fach: Bei Therapy Lift wird für Privatversicherte zum Regelsatz von 2,3 abgerechnet. Bei anderen Praxen lohnt die Nachfrage, ob höhere Sätze angesetzt werden.
  • Alte Tarife: Ältere Tarife enthalten teils engere Grenzen bei Psychotherapie. Ein Blick in die Bedingungen klärt das.

Warum eine Online-Therapie für Privatversicherte gut passen kann

Die Behandlung per Video folgt denselben Verfahren wie in der Praxis, nur der Ort ist ein anderer. Sie sparen den Weg, können die Sitzung ins Homeoffice oder in eine Pause legen und behalten Ihre Therapeut:in, wenn Sie umziehen. Bei Therapy Lift beginnt die Therapie nach dem Kennenlerngespräch oft innerhalb weniger Tage. Die Gespräche sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, die Server stehen in Deutschland.

Wenn Sie starten möchten: Auf der Seite für Privatversicherte finden Sie Preise und Ablauf im Überblick, über die Therapeutensuche sehen Sie Profile mit Schwerpunkten und Verfahren und buchen Ihr kostenfreies Kennenlerngespräch.

Häufige Fragen

Übernimmt meine private Krankenversicherung eine Online-Psychotherapie?

Ja, im Umfang Ihres Tarifs. Seit dem 1. Januar 2022 erstatten private Krankenversicherungen psychotherapeutische Videositzungen dauerhaft wie eine Behandlung in der Praxis. Wie viele Sitzungen und bis zu welchem Satz erstattet wird, steht in Ihren Tarifbedingungen.

Muss ich vor der Therapie einen Antrag bei der PKV stellen?

Das hängt vom Versicherer ab, ein einheitliches Verfahren gibt es nicht. Manche Versicherer wollen nach den probatorischen Sitzungen einen Antrag, andere erst nach den ersten 20 Stunden, manche gar keinen. Fragen Sie vorher nach und lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben.

Wie viele probatorische Sitzungen zahlt die PKV?

Eine einheitliche Zahl gibt es in der PKV nicht, maßgeblich ist Ihr Tarif. Zum Vergleich: Die gesetzliche Versorgung sieht zwei bis vier probatorische Sitzungen vor, die Beihilfe erkennt bei Erwachsenen bis zu fünf an.

Was kostet eine Sitzung bei Therapy Lift für Privatversicherte?

167,58 Euro je 50-minütiger Sitzung, abgerechnet nach GOÄ/GOP mit den Ziffern 812 analog und 801 analog zum 2,3-fachen Regelsatz. Das Kennenlerngespräch ist kostenfrei, eine Grundgebühr gibt es nicht.

Quellen

  • PKV-Verband, Patientenportal: Psychotherapie für Privatversicherte
  • PKV-Verband: PKV ermöglicht dauerhaft Videosprechstunden in der Psychotherapie
  • PKV-Verband: Psychotherapie-Abrechnungsempfehlungen stärken Leistungen für Privatversicherte und Beihilfeberechtigte
  • Bundespsychotherapeutenkammer: Übersicht der Analogleistungen gemäß Abrechnungsempfehlungen (Stand Januar 2025)
  • Bundespsychotherapeutenkammer: Wege zur Psychotherapie

Quellen

  • Pkv
  • Private Krankenversicherung
  • Privatversichert
  • Psychotherapie

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