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Burnout: Symptome, Anzeichen und Abgrenzung zur Depression

Burnout ist ein arbeitsbezogenes Erschöpfungssyndrom mit drei Kerndimensionen: anhaltende Erschöpfung, Distanzierung zur Arbeit und reduzierte Leistungsfähigkeit. Im Gegensatz zur Depression bleibt die Beeinträchtigung meist auf den Arbeitskontext bezogen. Hier finden Sie die typischen Symptome, die Risikofaktoren und wann eine Abklärung sinnvoll ist.

Emil Herrling
Emil Herrling
  • 16. März 2025
  • Aktualisiert: 11. Mai 2026
  • 7 min read

Medizinisch geprüft von

Dipl. Psych. Jan-Matthis Wasserfuhr

Burnout ist ein Erschöpfungssyndrom, das durch chronische Überlastung am Arbeitsplatz entsteht. Die Weltgesundheitsorganisation führt es seit 2019 in der ICD-11 unter dem Code QD85, allerdings nicht als Krankheitsdiagnose, sondern als „Faktor, der die Gesundheit beeinflusst”. Wer typische Burnout-Beschwerden hat, bekommt in der Behandlung deshalb fast immer eine zusätzliche, klinisch handhabbare Diagnose — meist Depression, Angststörung oder Anpassungsstörung. Dieser Artikel erklärt die WHO-Definition, die typischen Symptome, die Abgrenzung zur Depression und wann eine Abklärung sinnvoll ist.

Wie die WHO Burnout definiert

Drei Dimensionen müssen gemeinsam vorliegen, damit von einem Burnout gesprochen werden kann. Sie kommen alle aus dem Arbeitskontext und sollten dort auch erlebbar sein.

Erschöpfung. Anhaltend, körperlich und mental. Wer ausgeruht in den Urlaub fährt und nach drei Wochen genauso erschöpft zurückkommt wie vorher, erlebt eine andere Dimension von Müdigkeit als nach einer schlechten Nacht. Diese Erschöpfung lässt sich nicht ausschlafen.

Innere Distanz zur Arbeit. Aufgaben, die früher mit Engagement angegangen wurden, werden mit wachsender Gleichgültigkeit erledigt. Der Job fühlt sich an wie etwas, das man durchsteht. Bei manchen mündet das in Zynismus oder Bitterkeit gegenüber Kolleg:innen, Klient:innen oder dem Unternehmen.

Reduzierte Leistungsfähigkeit. Man schafft weniger als früher und braucht länger für dieselben Aufgaben. Konzentration und Detailgenauigkeit lassen nach, Fehler häufen sich, Entscheidungen fallen schwerer. Das ist nicht Faulheit. Das ist Ressourcenmangel.

Wichtig: Wenn diese drei Punkte vorliegen, aber unabhängig von der Arbeit, ist es kein klassisches Burnout, sondern weist meist auf eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung hin. Mehr dazu im Abschnitt zur Abgrenzung von der Depression.

Wie ein Burnout beginnt

Burnout beginnt selten abrupt. Die meisten Verläufe, die in unserer Praxis ankommen, haben eine lange Vorgeschichte: Jahre hoher Belastung, in denen die betroffene Person ihre Arbeit als sinnvoll erlebt hat und gerade deshalb über die eigene Grenze gegangen ist. Pflegende Berufe, Lehrer:innen, Selbstständige, Eltern in der Doppelbelastung, idealistische Gründer:innen — die Liste ist lang, aber das Muster ist ähnlich.

Typisch ist eine Phase von hohem Enthusiasmus und intensivem Einsatz. Die Arbeit ist anspruchsvoll, oft emotional fordernd, die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Eigene Bedürfnisse rücken in den Hintergrund. Das funktioniert eine Weile, manchmal Jahre.

Der Wendepunkt kommt dann scheinbar plötzlich. Die übliche Erholungszeit reicht nicht mehr. Weder ein Wochenende noch ein Urlaub bringt die gewohnte Regeneration. Das Erleben, „aus heiterem Himmel” getroffen worden zu sein, täuscht meist darüber hinweg, dass die Warnsignale bereits Monate oder Jahre vorhanden waren und ignoriert wurden.

Typische Symptome

Die Beschwerden entwickeln sich graduell. In der Frühphase sind sie oft so unspezifisch, dass sie als Stress, mangelnde Disziplin oder „Phase” abgetan werden.

Frühe Warnsignale, die ernst genommen werden sollten:

  • mehr arbeiten und gleichzeitig weniger schaffen
  • das Gefühl, unersetzbar zu sein und alles selbst machen zu müssen
  • Pausen, Hobbys und soziale Kontakte werden gekürzt
  • gelegentliche Verspannungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, häufigere Infekte
  • ein vages, schwer benennbares Unbehagen oder grundlose innere Unruhe

Im fortgeschrittenen Stadium werden die Symptome dichter und alltagsbestimmend:

  • emotionale Erschöpfung und innere Leere als Grundzustand
  • zunehmende Distanzierung, Zynismus oder Gleichgültigkeit gegenüber Arbeit, Kolleg:innen und manchmal nahestehenden Personen
  • starke Selbstzweifel, Gefühle des Versagens, das Erleben, nichts mehr richtig hinzubekommen
  • chronische Müdigkeit, anhaltende Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme, Herzrasen, Tinnitus, Rückenschmerzen
  • gereizte Stimmung, gedrückte Stimmung bis hin zu manifester Depression, Angst, Hoffnungslosigkeit
  • sozialer Rückzug, Vermeidung von Herausforderungen, manchmal erhöhter Konsum von Alkohol, Nikotin oder Medikamenten

Anhaltende Schmerzen, ein dauerhaft geschwächtes Immunsystem oder das Gefühl, sich nicht mehr erholen zu können, sind nie ein Normalzustand. Sie verdienen eine Abklärung.

Burnout oder Depression? Die schwierige Abgrenzung

Das ist die wichtigste Differenzialdiagnose, und sie ist klinisch nicht trivial. Drei Faustregeln helfen bei einer ersten Einordnung:

Kontextgebundenheit. Beim klassischen Burnout zeigt sich die Beeinträchtigung im Arbeitskontext. An einem freien Wochenende, bei Freund:innen, im Urlaub (zumindest in den ersten Tagen) bleibt etwas Freude, etwas Antrieb. Bei einer Depression ist die gedrückte Stimmung durchgängig, sie nimmt das Erleben der ganzen Lebensspanne in Beschlag.

Anhedonie. Verlust von Freude an Dingen, die früher Freude gemacht haben, ist ein Kernsymptom der Depression. Bei reinem Burnout fehlt diese Komponente meist — der Tennisabend, das Konzert, das Treffen mit alten Freund:innen funktioniert noch.

Selbstwert und Schuld. Bei einer Depression gehören tiefer Selbstzweifel, Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit zum Kern. Beim Burnout finden sich Selbstzweifel meist gezielter auf die berufliche Leistung — „ich schaffe das nicht mehr” statt „ich bin nichts wert”.

In der Realität liegen Burnout und Depression oft gemeinsam vor. Etwa die Hälfte der Patient:innen, die wegen Burnout in Behandlung kommen, erfüllen auch die Kriterien einer depressiven Episode. Das ist kein Widerspruch — es bedeutet, dass die Behandlung beides berücksichtigen muss. Mehr unter Depression: Symptome.

Andere mögliche Erklärungen sollte eine Erstuntersuchung ebenfalls prüfen:

  • Angststörungen, besonders die generalisierte Angststörung, erzeugen ähnliche Erschöpfungsbilder. Hier steht aber das Sorgen-Karussell im Vordergrund, nicht die berufliche Demotivation.
  • Körperliche Ursachen sollten ärztlich ausgeschlossen werden: Schilddrüsenerkrankungen, Anämien, Vitamin-D- oder B12-Mangel, schwere Schlafapnoe, Autoimmunerkrankungen in der Frühphase. Diese verursachen oft Beschwerden, die nicht von einem Burnout zu unterscheiden sind, solange das Blutbild nicht vorliegt.
  • Eine Anpassungsstörung liegt vor, wenn die Beschwerden klar mit einer beruflichen Belastung zusammenhängen, zeitlich begrenzt sind und nach Entlastung wieder zurückgehen.

Eine ärztliche oder psychotherapeutische Erstuntersuchung kann diese Möglichkeiten meist innerhalb von ein bis zwei Sitzungen sortieren.

Wer besonders gefährdet ist

Burnout ist kein Phänomen einzelner Berufe. Trotzdem gibt es Konstellationen, in denen das Risiko deutlich erhöht ist.

Berufliche Risikofaktoren: hohe emotionale Involviertheit (Pflege, Therapie, Pädagogik), wenig Kontrolle über die eigene Arbeitsgestaltung, ständige Verfügbarkeit, unklare Erwartungen oder Rollenkonflikte, fehlende Anerkennung im Verhältnis zur Belastung. Wenn man viel gibt und das nicht gesehen wird, ist das auf Dauer zermürbend.

Persönliche Risikofaktoren: ausgeprägter Perfektionismus, ein starkes Helfersyndrom (die Bedürfnisse anderer dauerhaft über die eigenen stellen), die Tendenz, eigene Grenzen zu ignorieren oder zu überschätzen. Diese Eigenschaften sind nicht schlecht — sie sind oft auch der Grund, warum jemand in seinem Beruf gut ist. Sie werden zum Risiko, wenn nichts gegensteuert.

Lebensphasen, in denen das Risiko steigt: pflegende Angehörige, Eltern kleiner Kinder mit Vollzeit-Job, Selbstständige in der Aufbauphase, Mitarbeiter:innen in Restrukturierungen. Hier kommt die Belastung nicht aus einer Quelle, sondern aus mehreren gleichzeitig.

Aus der psychotherapeutischen Praxis

Das häufigste Muster, das wir bei Erstgesprächen sehen: Patient:innen kommen zu spät. Nicht weil sie nicht wussten, dass etwas nicht stimmt, sondern weil sie gehofft haben, dass es sich von selbst legt. Der Urlaub stand bevor, die Beförderung war in Aussicht, „nach dem Projekt wird es besser”. Wird es selten.

Der zweite wichtige Punkt: Die Frage „bin ich schon im Burnout?” ist klinisch meist die falsche Frage. Sinnvoller ist die Frage, ob die aktuelle Arbeits- und Lebensgestaltung über fünf weitere Jahre durchzuhalten wäre. Wer auf diese Frage ehrlich mit Nein antwortet, hat unabhängig vom Etikett ein Problem, das Aufmerksamkeit verdient.

Wann eine Abklärung sinnvoll ist

Wenn Sie über mehrere Wochen mehrere der folgenden Punkte beobachten, sollten Sie das nicht weiter aufschieben:

  • anhaltende Erschöpfung, die sich auch im Urlaub nicht legt
  • Schlafstörungen, die länger als zwei bis drei Wochen andauern
  • deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit, die Ihnen oder Ihrem Umfeld auffällt
  • wachsende Distanz oder Bitterkeit gegenüber Ihrer Arbeit
  • körperliche Symptome ohne klare medizinische Ursache
  • Stimmungsveränderungen, Reizbarkeit oder Hoffnungslosigkeit, die zunehmen

Bei Suizidgedanken gilt: sofort, nicht in drei Wochen. Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 116 117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Erster Anlaufpunkt ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt. Sie können eine Basisdiagnostik durchführen, körperliche Ursachen ausschließen und gegebenenfalls weiterüberweisen. Bei psychotherapeutischer Behandlung ist die Verhaltenstherapie der am besten untersuchte Ansatz, mit Schwerpunkten auf Stressbewältigung, Werteklärung und Verhaltensänderung am Arbeitsplatz.

Nächste Schritte

Wer den Verdacht hat, in eine Burnout-Entwicklung geraten zu sein, sollte zwei Dinge tun: das Problem beim Namen nennen und das eigene System (Arbeit, Beziehungen, Erwartungen) ehrlich anschauen. Beides ist alleine schwierig, deshalb gibt es Hilfe.

Mehr zu den konkreten Behandlungsoptionen finden Sie unter Burnout behandeln, und wie Sie einem Rückfall vorbeugen unter Burnout vorbeugen.

Häufige Fragen

Ist Burnout eine offizielle Diagnose? +

Nein, nicht im engeren Sinn. Die WHO hat Burnout 2019 in die ICD-11 unter dem Code QD85 aufgenommen, aber als „arbeitsbezogenes Phänomen" und nicht als eigenständige Krankheit. In der Praxis bekommen Patient:innen mit Burnout-Beschwerden meist eine Begleitdiagnose wie F32 (Depression), F41 (Angststörung) oder F43.2 (Anpassungsstörung) — diese ist auch krankschreibungs- und abrechnungsrelevant.

Was ist der Unterschied zwischen Burnout und Depression? +

Die Symptome überlappen stark, der Kontext unterscheidet sich. Beim klassischen Burnout sind die Beeinträchtigungen an die Arbeit gebunden: an freien Wochenenden, in den ersten Urlaubstagen, im privaten Umfeld erlebt man oft noch Freude und Antrieb. Bei einer Depression ist die gedrückte Stimmung durchgängig, sie betrifft alle Lebensbereiche, und auch Hobbys oder Beziehungen verlieren ihren Reiz. Beide Bilder treten häufig gemeinsam auf — dann sollte beides behandelt werden.

Wie lange dauert ein Burnout? +

Das hängt stark vom Stadium ab, in dem man sich Hilfe holt. Frühe Phasen lassen sich oft innerhalb weniger Monate mit Stressbewältigung, Werteklärung und einer veränderten Arbeitsgestaltung bewältigen. Bei fortgeschrittenem Burnout mit ausgeprägter Erschöpfung und Begleitdepression ist eine Genesungszeit von sechs bis zwölf Monaten realistisch, manchmal länger. Eine vollständige Rückkehr zur alten Belastungsgrenze ist nicht immer das Ziel — meist geht es darum, langfristig anders zu arbeiten.

Welcher Arzt stellt Burnout fest? +

Hausärzt:innen sind in der Regel der erste Anlaufpunkt. Sie schließen körperliche Ursachen aus (Schilddrüse, Blutbild, Vitaminstatus) und überweisen bei psychischen Symptomen an Psychotherapeut:innen oder Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychosomatik. Die eigentliche differenzialdiagnostische Einschätzung — Burnout, Depression, Angststörung oder Kombination — gehört in fachpsychotherapeutische oder psychiatrische Hände.

Kann ich selbst herausfinden, ob ich Burnout habe? +

Selbsttests wie das Maslach Burnout Inventory geben eine erste Orientierung, ersetzen aber keine Diagnose. Wenn Sie über mehrere Wochen anhaltend erschöpft sind, sich der Arbeit gegenüber distanziert oder zynisch erleben und Ihre Leistungsfähigkeit deutlich nachlässt, sollten Sie das mit einer Fachperson besprechen — nicht zuletzt, um eine Depression oder körperliche Ursache nicht zu übersehen.

Hilft Urlaub bei Burnout? +

In frühen Phasen ja, in späten Phasen kaum noch. Ein zentrales Warnzeichen für einen ernsteren Verlauf ist genau das: aus dem Urlaub kommt man genauso erschöpft zurück, wie man hineingefahren ist. Wenn drei Wochen freie Zeit die Erschöpfung nicht spürbar lindern, ist eine professionelle Abklärung sinnvoll.

Wichtiger Hinweis

Diese Informationen ersetzen keine professionelle medizinische Beratung.
Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine approbierte Psychotherapeut:in oder Ärzt:in.

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